Vegetarier – jeder is(s)t anders

Aktuell gibt es in Deutschland rund 8 Millionen Vegetarier – Tendenz steigend. Aber was genau is(s)t eigentlich ein Vegetarier? Der klassische Vegetarier isst kein Fleisch und keinen Fisch, aber Milchprodukte und Eier. Dabei handelt es sich um den sogenannten Ovo-lakto-Vegetarier, der den größten Anteil an allen vegetarischen Ernährungsformen ausmacht. Darüber hinaus gibt es noch Ovo-Vegetarier, Lakto-Vegetarier und Veganer. Zusätzlich zu diesen vier Grundformen gibt es noch mehrere Unterformen. Erfahren Sie, wie sich die verschiedenen vegetarischen Ernährungsformen definieren und welche Motive dahinter stecken.

1. Ovo-lakto-vegetarische Ernährung

Diese Form der vegetarischen Ernährung wird am häufigsten praktiziert. Ovo-lakto-Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch. Sie essen nur Produkte vom lebenden Tier. Das sind Eier, Honig, Milch und Milchprodukte wie Käse, Quark und Joghurt. Viele Vegetarier achten darauf, dass sie Käse mit mikrobiellem Lab kaufen anstatt mit tierischem Lab. Zudem meiden sie Gummibärchen und Fertigprodukte, die Gelatine enthalten. Der Speiseplan von Ovo-lakto-Vegetariern besteht überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln. Dazu gehören Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreideprodukte.

Ovo-lakto-Vegetarier entscheiden sich meist aus ethischen Gründen für diese Ernährungsform. Sie lehnen die Massentierhaltung und das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken ab. Aber auch ökologische Gründe wie der Umwelt- und Klimaschutz spielen eine wichtige Rolle. Ein weiterer Grund ist die eigene Gesundheit, denn eine gut umgesetzte vegetarische Ernährung ist nachweislich gesundheitsfördernd und kann zahlreichen Krankheiten vorbeugen.

2. Lakto-vegetarische Ernährung

Lakto-Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch und Eier, aber nicht auf Milch und Milchprodukte. Ansonsten essen sie pflanzliche Lebensmittel. Lakto-Vegetarier müssen darauf achten, dass sie keine „versteckten“ Eier essen. Diese befinden sich in vielen Fertigprodukten wie z.B. Mayonnaise, Eis und Backwaren. Lakto-Vegetarier, die Eier vom Speiseplan streichen, tun das meist aus ethischen Gründen. Sie sagen, dass aus dem Ei normalerweise ein Küken schlüpfen könnte. Ein weiterer Aspekt sind die schlechten Haltebedingungen von Hühnern.

3. Ovo-vegetarische Ernährung

Ovo-Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte, aber nicht auf Eier. Sie essen überwiegend pflanzliche Lebensmittel. Kuhmilch ersetzen sie durch Alternativen wie Reis- Hafer- oder Sojadrink. Oft verzichten sie auf Milch, weil sie eine Laktoseintolleranz haben – eine Milchzuckerunverträglichkeit. Allerdings haben sie auch ethische Gründe. Sie haben Mitleid mit den Kühen, die für die Milchproduktion enorm strapaziert werden.

4. Veganer

Veganer sind die konsequentesten Vegetarier, denn sie verzichten auf alles, was vom Tier stammt. Dazu zählen vor allem Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Milchprodukte, Gelatine, tierisches Lab, Bienenprodukte wie Honig, Propolis und Gelee Royal, Kaviar, Karmin (roter Farbstoff aus Schildläusen), Leder, Schafwolle, Pelz, Daunen und Seide. Beim Kauf von Kosmetikprodukten achten sie darauf, dass diese keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten.

Veganer ernähren sich ausschliesslich von pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Milch- und Fleischalternativen. Da die Auswahl an pflanzlichen Produkten immer größer wird, ist es einfacher geworden, sich vegan zu ernähren. Allerdings müssen Veganer auf eine optimale Zusammenstellung ihrer Lebensmittel achten, damit sie alle wichtigen Nährstoffe aufnehmen. Veganer haben viele Gründe, warum sie strikt auf alle tierischen Produkte verzichten. Es geht ihnen vor allem um die Tiere, aber auch um die Umwelt, das Klima und die eigene Gesundheit.

Flexitarier

Die sogenannten Flexitarier sind flexible Vegetarier. Sie werden auch als Teilzeitvegetarier bezeichnet. Das heisst, sie essen nur ab und zu mal Fleisch. Meistens begrenzt sich ihr Konsum auf 1-2 mal pro Woche oder sie essen Fleisch nur zu besonderen Anlässen. Flexitarier entscheiden sich bewusst für einen undokmatischen Ernährungsstil. Wenn sie Fleisch essen, legen sie großen Wert auf die Qualität. Sie achten beim Kauf auf eine artgerechte Haltung und eine biologische Erzeugung. Ansonsten essen sie viele pflanzliche Lebensmittel, die meist naturbelassen und wenig verarbeitet sind. Insgesamt achten sie darauf, sich möglichst gesund und nachhaltig zu ernähren.

Pescitarier

Pescitarier verzichten auf Fleisch, essen aber Fisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte. Welche Sorten und Mengen an Fisch konsumiert werden, entscheidet jeder selbst. Es gibt hier keine festen Regeln. Grundsätzlich bevorzugen sie aber unverarbeiteten Fisch und meiden hingegen fertige Produkte wie Schlemmerfilets oder Fischstäbchen. Wenn sie Fisch essen, achten sie meistens darauf, dass dieser nicht aus Fischfarmen kommt, sondern aus Wildfang. Die Beweggründe, Pescitarier zu werden, sind meist der Wunsch nach einer gesunden Ernährungsweise und die Ablehnung der Massentierhaltung.

Puddingvegetarier

Puddingvegetarier verzichten zwar auf Fleisch und Fisch, achten aber ansonsten nicht auf ihre Ernährung. Das heisst, sie essen häufig Fertigprodukte, Fastfood und Süßigkeiten. Auf Dauer ist diese Ernährungsform zu einseitig und zu kalorienreich, so dass es zu Übergewicht und Mangelerscheinungen kommen kann. Puddingvegetarier verzichten nicht vorrangig aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch, sondern eher aus ethisch-moralischen Gründen.

Flexiganer

Flexiganer sind flexible Veganer, die sich überwiegend vegan ernähren und nur zu besonderen Anlässen mal ein Stück Fleisch oder andere tierischen Produkte essen. Die flexigane Ernährung kann auch als Einstieg in die vegane Ernährung genutzt werden, weil sie die Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung erleichtert.